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Rückblick: Die Flut 2021
Im Juli 2021 traf die Flutkatastrophe den Kreis Euskirchen mit voller Wucht. Fünf Jahre später blicken wir zurück auf den größten Einsatz in der Geschichte des Technischen Hilfswerks – und auf das, was bleibt.
Größter THW-Einsatz seit Bestehen der Bundesanstalt
Einsatzkräfte zeitweise in Euskirchen im Einsatz
Kraftstoff pro Tag – für THW, Polizei und Feuerwehr
Mahlzeiten pro Tag auf dem Hof zubereitet und ausgefahren
Termin-Ankündigung
Aus den Erfahrungen der Flut lernen – gemeinsam vorsorgen
Tag der Selbsthilfe und Nachbarschaftshilfe
Die Ereignisse der Flutkatastrophe 2021 haben eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig Eigenvorsorge, funktionierende Nachbarschaftshilfe und das Zusammenspiel von Hilfsorganisationen und Bevölkerung in außergewöhnlichen Lagen sind. Mit dieser Veranstaltung greifen wir die Erfahrungen aus dieser Zeit auf und möchten Bürgerinnen und Bürger für die Themen Selbsthilfe, Krisenvorsorge und nachbarschaftliche Unterstützung sensibilisieren sowie praktische Fähigkeiten vermitteln. Dafür sind verschiedene Mitmach- und Informationsstationen geplant.
Wie alles begann
Vom starken Regen zur Katastrophenlage
Die Flut 2021 begann mit Regen. Schon während der ersten Stunden liefen im Kreis Euskirchen die ersten Alarmierungen und Anforderungen ein – schwerpunktmäßig für die Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen. Was zunächst nach einem üblichen Starkregenereignis aussah, wuchs innerhalb kürzester Zeit zu einer Katastrophenlage heran.
In vielen Orten stand das Wasser 1,50 m bis 1,80 m hoch. Straßen wurden unpassierbar, ganze Wege waren nicht mehr befahrbar. Mit dem Verlust der Kommunikation zur Leitstelle und zum Kreisstab mussten viele Entscheidungen vor Ort eigenständig getroffen werden – ohne Funk, ohne Telefon.
Der Ortsverband als Drehscheibe
Zeitweise waren bis zu 800 Einsatzkräfte in Euskirchen im Einsatz, die aus dem Ortsverband heraus geführt wurden. Auf dem Hof standen Zelte, eine Verpflegungsstelle und ein großer Kühlanhänger – denn 800 Kräfte müssen versorgt und verköstigt werden. In Kooperation mit dem ADAC wurden kleinere Instandsetzungen vorgenommen und die Logistik unterstützt.
Kräfte aus dem gesamten Bundesgebiet – aus Bayern, Berlin, Dresden oder München – arbeiteten dank des modularen Einsatzkonzepts genauso wie die eigenen Helferinnen und Helfer. Eine Bergungsgruppe aus Euskirchen ist mit einer aus München oder Berlin vergleichbar: standardisiertes Material, verlässliche Fähigkeiten. Das erleichterte die Führung enorm.
Schwerpunkt Steinbachtalsperre
Als die Talsperre über die Dammkrone lief
In der Nacht der Flut lief die Steinbachtalsperre – sonst ein gut gefüllter See und Naherholungsgebiet – über die Dammkrone. Auf der wasserabgewandten Luftseite kam es zu erheblichen Erosionen und Materialaustragungen. Die zentrale Frage lautete: Ist der Damm noch standsicher?
Der Ortsverband Euskirchen betrieb hier die Einsatzzentrale. Weil kein Digitalfunk-Verkehr möglich war, wurde die Kommunikation per Satellitentelefon aufgebaut und über eine Relaisstation die Datenübertragung sichergestellt – so ließ sich die Bewegung des Damms in Echtzeit überwachen.
Einsatzstellensicherungssystem
Über Laserstrahlen und Reflektoren wurden kleinste Bewegungen des Damms gemessen. Aus der Laufzeit des Lasers lässt sich die Entfernung millimetergenau bestimmen. Das Ergebnis: Der Damm stand sicher – es gab keine gefährlichen Bewegungen der Dammkrone.
Mobiler Hochwasserpegel
Da die vorhandenen Pegel weggerissen worden waren, überwachten mobile Hochwasserpegel per Messdose kontinuierlich den Wasserstand der Bäche. Ein Pegel wurde eigens mit Personal und Gerät aus Baden-Württemberg eingeflogen.
Wasserstand senken
Feuerwehren aus NRW mit Hochleistungsfördersystemen (HFS) und die THW-Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen senkten gemeinsam den Wasserstand. Die Bundeswehr verlegte eine Panzerstraße, Bäume wurden gefällt, um überhaupt Zugang zu schaffen.
Rund eine Woche dauerte der Einsatz an der Steinbachtalsperre mit Aufbau, Pumparbeiten und Rückbau. Zum Abschluss räumte ein Bauunternehmer aus dem Kreis den Grundablass frei, sodass die Talsperre kontrolliert komplett abgelassen und der Damm vollständig entlastet werden konnte – jede Gefahr für die Bevölkerung war damit ausgeschlossen.
Stimmen zum Einsatz
Erinnerungen von Einsatzkräften des Ortsverbands
„Der Starkregeneinsatz 2021 war nicht nur der größte Einsatz des THW Euskirchen bis dato, sondern der größte Einsatz des Technischen Hilfswerks in den letzten 75 Jahren. Die Flut hat auf beeindruckende Weise gezeigt, wie gut der ehrenamtliche Katastrophenschutz funktioniert – im Zusammenwirken mit anderen Hilfsorganisationen und der Feuerwehr.“
Raphael Mausstellv. Ortsbeauftragter, THW Euskirchen„Sehr beruhigend war es, die Kräfte im Einsatz zu sehen – auch wenn es einem unter den Fingernägeln brennt, selbst mit anzupacken. Und ich habe eine wahnsinnig große Dankbarkeit aus der Bevölkerung wahrgenommen: nicht nur von Betroffenen, sondern auch von Menschen, die als Spontanhelfer einfach mit anpacken wollten.“
Burkhard AehlichFachberater, seit 1979 im THW · seit 2000 im OV EuskirchenNach der Flut – der Wiederaufbau
Anderthalb bis zwei Jahre im Zeichen der Flut
Das Wasser war weg – doch die Schäden blieben. Nach der akuten Räumung der Straßen und der Wiederherstellung der Infrastruktur war das THW Euskirchen noch rund anderthalb bis zwei Jahre mit den Folgen der Flut beschäftigt: weg von der Akuthilfe, hin zur Unterstützung beim Aufbau.
- Behelfsbrücke Rotzheim: Gemeinsam mit der Fachgruppe Brückenbau aus Bielefeld entstand aus über 200.000 Einzelteilen eine Brücke mit 30 t Tragfähigkeit – aufgebaut in nur 3 Tagen.
- Stege & Fußgängerüberwege: Damit Schul- und Kindergartenkinder wieder ihre gewohnten Wege gehen konnten.
- Fachberatung Bau: Begutachtung wassergeschädigter Gebäude.
- Räumarbeiten an der Erft: Beseitigung von angeschwemmtem Treibgut, um erneute Verklausungen zu verhindern.
Eine Besonderheit: Der Brückenbau fiel noch in die Corona-Phase. Die anrückenden Kräfte aus Bielefeld mussten in ihrer „Blase“ bleiben – mit vorbereiteten Informationen zu Tank-, Verpflegungs- und Unterkunftsmöglichkeiten, um Kontakte zu vermeiden und das gesamte Bauprojekt nicht zu gefährden.
Was bleibt – 5 Jahre danach
Die Flut wirkt bis heute nach: Viele damals interessierte Bürgerinnen und Bürger leisten heute als Einsatzkräfte in unserem Technischen Zug ihren Dienst. Und sie hat uns gelehrt, Lagen anders zu bewerten. Es ist eben nicht immer nur das fiktive Szenario – wir haben es in Euskirchen am eigenen Leib gespürt. Katastrophen passieren vor der eigenen Haustür. Genau darauf bereiten wir uns vor: dass Kommunikation, Strom und Versorgung ausfallen und wir in der ersten Phase auf uns allein gestellt sind.